Tibets Buddhismus
Denkt man an Tibet, so denkt man automatisch an den Buddhismus. Und tatsächlich ist Tibet das Zentrum des tibetischen Buddhismus. Bereits im 6. Jahrhundert kamen die ersten Kontakte zustande. Im 8. und 9. Jahrhundert dann passierte die offizielle Einführung dieser Religion aus Indien kommend. Der Vajrayana, wie der tibetische Buddhismus auch genannt wird, berücksichtigte in erster Linie die vier großen buddhistischen Schulen:
- Nyingma,
- Kagyü,
- Sakya
- und Gelugpa.
Zunächst galt es, das Dharma – die Gesetze, Rechte und Sitten – aus Indien in die eigene Sprache und Schrift zu übertragen. Dies gelang auch vorerst sehr gut, kam allerdings zum Stillstand, als die Moslems im 12. Jahrhundert in Indien Einzug hielten. Das bedeutete für den tibetischen Buddhismus eine eigenständige Weiterentwicklung, und die bereits erwähnten vier Schulen entstanden.
Mit der Invasion der Chinesen - im Jahre 1949/50 - sowie der Flucht des Dalai Lamas ins Exil (1950) wanderten auch viele Intellektuelle des Landes nach Europa, in die USA oder nach Indien aus, was ein besonderer Einschnitt für den Buddhismus bedeutete.
In nicht wegzudenkender Verbindung mit dem tibetischen Buddhismus steht der Dalai Lama. Dalai Lama ist der Titel für den höchsten Trülku – was so viel wie „lebender Buddha“ bedeutet -, den Meister, der von einem seiner Vorgänger als Reinkarnation bestimmt wurde. Dieser Titel, welcher erstmals 1578 von einem mongolischen Fürsten verliehen wurde, ist innerhalb der Hierarchie der Schule der Gelug zu finden. Bislang gab es 14 Dalai Lamas, wovon der jetzige – der 14. Dalai Lama – einen besonderen internationalen Bekanntheitsgrad genießt. Es handelt sich dabei um den buddhistischen Mönch Tendzin Gyatsho, der auch heute noch in Indien im Exil lebt. Von der tibetischen Exilregierung wird er als geistliches wie auch weltliches Oberhaupt anerkannt. Er findet wegen seines großen Engagements für den Weltfrieden in aller Welt Anerkennung besonderer Art. 1989 erhielt er sogar den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz bezüglich der politischen Unabhängigkeit Tibets sowie für seine Bemühungen, die Kultur wie auch die Religion des Landes anerkannt zu bekommen.
Mittelpunkt der buddhistischen Lehre sind die von dem historischen Buddha – Siddhartha Gautama (563 – 483 v. Chr.) – benannten „Vier Edlen Wahrheiten“:
- Das Leben im Daseinskreis ist leidvoll.
- Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
- Erlöschen diese Ursachen, so erlöscht gleichzeitig das Leid.
- Zum Erlöschen des Leidens führt der „Edle Achtfache Pfad“.
Letzterer gibt die Anleitung zum Erlangen der Erlösung, das Nirwana.