Wege zur Unabhängigkeit zwischen den benachbarten Mächten

Während der Zeit des so genannten Großen Spiels – einem historischen Konflikt zwischen den Ländern Russland und Großbritannien um deren Vorherrschaft in Zentralasienkam es zu einem starken diplomatischen Einfluss Russlands auf Tibet. Dies hatte zur Folge, dass 1903 der Britische Tibetfeldzug unter der Führung von Francis Younghusband statt fand. Die Bergfestung Gyangzê im heutigen Regierungsbezirk Shigatse wurde gestürmt und der 13. Dalai Lama floh in die Mongolei. Lhasa ereilte das Schicksal der Besetzung. 1904 kam es dann zu einem Abkommen zwischen den Briten sowie den noch anwesenden tibetischen Vertretern und dem Amban – dem kaiserlich chinesischen Gesandten -, welches besagte, dass die Grenzen für den Handel mit Britisch-Indien zu öffnen seien. Ferner durfte Tibet ab sofort nicht ohne vorherige Einverständniserklärung von Großbritannien in Verhandlungen mit anderen Ländern treten. Erst zwei Jahre später, nämlich 1906, wurde dieser Vertrag von der chinesischen Regierung bestätigt.

1907 einigten sich die Länder Russland und Großbritannien im Vertrag von St. Petersburg über ihre Interessen bezüglich Zentralasiens und legten fest, dass China eine Art Schutzherrschaft über Tibet auszuüben habe. Drei Jahre später traf in Tibet eine militärische Expedition Chinas ein, um diesem Anspruch Kraft zu verleihen. Der Dalai Lama, der kurzfristig aus dem Exil zurückkehrte, floh abermals, allerdings diesmal nach Indien.

Wegen der chinesischen Revolution im Oktober 1911 und des damit verbundenen Endes des Kaisertums verließen die chinesischen Truppen das Land, der Dalai Lama kehrte zurück und hielt 1912 Einzug in Lhasa. Nachdem auch die letzten verbliebenen Truppen Chinas in Lhasa zu Beginn 1913 vertrieben wurden, verkündete der Dalai Lama am 14. Februar 1913 die staatliche Unabhängigkeit seines Landes. Mit der Mongolei, die zu gleicher Zeit ihre Unabhängigkeit erklärte, wurde ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet.

China gab jedoch nie den Anspruch auf Tibet ganz auf. So schickte die chinesische Regierung nach dem Tod des 13. Dalai Lamas - im Jahre 1933 – eine Vertretung nach Lhasa zur Kondolenz. Anführer dieser Gesandten war General Huang Musong.

Besorgnis schlich sich in Tibet im Jahre 1945 ein, nachdem in China der Bürgerkrieg ausgebrochen war. Man verwies sämtliche chinesischen Beamten des Landes und rüstete die eigene Armee auf. Eine Aufforderung an Indien, die USA sowie Großbritannien blieb ohne Resonanz, so dass die politische Isolation Tibets bestehen blieb.