Von der Monarchie zur chinesischen Schutzherrschaft

Die Regierungszeit der Yarlung-Dynastie – auch Tubo-Dynastie genannt – ist auch unter dem Begriff tibetische Monarchie bekannt und erstreckt sich auf die Zeit vom 7. Jahrhundert bis ins Jahr 842. In diesen Jahren der Geschichte Tibets entwickelte sich ein tibetisches Großreich, das sich neben dem tibetischen Hochland ebenso über Teile Zentralasiens sowie das damalige China erstreckte.

Während die Tang-Dynastie (618-907) der jahrhundertelangen Spaltung im zentralen Gebiet Chinas ein Ende setzte, vereinigte Songtsan Gampo – der tibetische Nationalheld – auf dem Hochplateau über zehn Sippen und Stämme. Ferner gründete er die Tubo- oder Yarlung-Dynastie mit Lhasa als Hauptstadt.

Im 10. Jahrhundert wurde die Position der tibetischen Könige – von denen es in der Geschichte laut traditioneller Liste insgesamt 42 gab, wobei 26 eher mythischer Natur gewesen zu sein schienen – immer schwächer und eine neue tibetische Gesellschaft wuchs heran. Drei verschiedene Besitzformen entstanden, die die Geschichte Tibets prägten: Ländereien der adligen Familien, freier Grundbesitz sowie Ländereien unter der Verwaltung unterschiedlicher buddhistischer Klöster.

1240 eroberte der mongolische Khan Güyük Khan Tibet, und Mitte des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts setzte man Angehörige der Sakya-Schule – eine Schule des tibetischen Buddhismus’ – als Vizekönige ein. Weitere Dynastien in der Geschichte Tibets folgten, und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Regierungsgewalt auf Angehörige der Gelugpa-Schule übertragen.

1642 wurde der Dalai Lama – Ngawang Lobsang Gyatso – zur obersten Autorität im tibetanischen Staatswesen ernannt. Dies war übrigens bereits der 5. von bislang 14 Dalai Lamas in der bisherigen Geschichte. Ein Dalai Lama wird im tibetischen Buddhismus als Mensch betrachtet, der sich entschieden hat, durch Wiedergeburt – Reinkarnation – in das Leben zurück zu kehren, wieder Mensch zu werden, um anderen dienen zu können. Gleichzeitig wurde die Ganden Podrang Regierung ins Leben gerufen, welche bis ins Jahr 1959 regierte.

Seit 1720 war in Lhasa eine Garnison chinesischer Soldaten stationiert. Das war die Folge des Geleits des 7. Dalai Lamas, der noch sehr jung war, durch Soldaten des chinesischen Kaisers. Innerhalb kürzester Zeit erwirkte China das Recht, immer mehr in der tibetischen Politik mitsprechen zu dürfen. Dies dehnte sich sogar dahingehend aus, dass sie Einfluss nahmen auf das Findungs-Ritual des neuen Dalai Lamas.

Der Dalai Lama gewann eine zunehmend stärkere Position in Tibet, allerdings schwankte sein Einfluss von Zeit zu Zeit, was vor allem auf die Persönlichkeit des jeweiligen Dalai Lamas zurück zu führen ist. Nicht selten war er zu jung, um das ihm zugedachte Amt ausführen zu können.

So lebten im 19. Jahrhundert die Tibeter in einem feudalen System, wobei der Dalai Lama die Oberherrschaft hatte und die großen Klöster den Hauptanteil des Landes innehatten. Gleichzeitig verlangten die Klöster Abgaben, monopolisierten das Bildungssystem sowie viele der wirtschaftlichen Aktivitäten. Einen bis dahin in aller Welt üblichen Handel mit dem Ausland gab es hier nicht. Lediglich mit China, Indien und Turkmenistan pflegte man hin und wieder eine Handelsbeziehung.