Chinesische Okkupationen
Nachdem in China nun die Kommunistische Partei die Macht übernommen hatte und die Volksrepublik China unter der Führung von Mao Tse-tung im Oktober 1949 gegründet wurde, wurde man sich Tibets bewusst und machte den Anspruch auf dieses Land erneut geltend. So verkündete die Volksrepublik zu Beginn des Jahres 1950 die Befreiung Tibets vom „britischen, imperialistischen Joch“. Die tibetische Armee unterdessen war schlecht ausgerüstet, und so kam es, dass am 7. Oktober 1950 die chinesische Volksbefreiungsarmee die tibetische Stadt Qamdo erreichte.
Die Kapitulation in Osttibet wurde durch den Gouverneur von Kham eingeleitet. Der 14. Dalai Lama übernahm im Alter von nur 15 Jahren die Regierung Tibets in Lhasa. Im Mai 1951 unterzeichneten tibetische Repräsentanten ohne Absprache mit der Regierung in Peking ein 17-Punkte-Abkommen, worin unter anderem die Integration Tibets in China manifestiert wurde. Zugesichert wurde dabei, dass Tibet sowohl die Religionsfreiheit als auch die regionale Autonomie sowie den Erhalt des existierenden politischen Systems zugeschrieben wurde. Ferner sollte Tibet die Freiheit behalten, eventuell anstehende Reformen ohne Druck durch China eigenmächtig einleiten zu dürfen. Drei Tage nach der Unterzeichnung erfuhr die tibetische Regierung durch Bekanntgabe im Radio von diesem Abkommen. Da aber die Religionsfreiheit sowie das bestehende politische System scheinbar unangetastet blieben, erhoben sie keinen Einspruch und stimmten dem Vertrag zu. Kurz darauf machte sich die chinesische Volksbefreiungsarmee in Richtung Zentraltibet auf, um sehr rasch eine extrem starke Militärpräsenz in Lhasa – die fast im Verhältnis 1:1 stand - zu errichten. Allerdings wurden seitens der chinesischen Regierung keinerlei Versuche unternommen, das tibetische System des neu geschaffenen Autonomen Gebiets Tibet zu verändern. Lediglich die Gebiete Kham und Amdo wurden so behandelt wie andere chinesische Provinzen. Allerdings kam es zu größeren Unruhen, als die Kommunistische Partei Chinas versuchte, die Nomadenvölker sesshaft zu machen und Volkskommunen einrichten wollte. Etwa fünf Jahre später – im Jahr 1955 – wurde in der Region dann ein größerer Aufstand verzeichnet, der blutig niedergeschlagen wurde. Das hatte zur Folge, dass sich verschiedene Stammesgruppen zusammenschlossen und eine landesweite Rebellion anzettelten. Die so genannte Chushi Gangdrug wurde ins Leben gerufen, eine tibetische Guerilla-Bewegung, die sich zum Ziel setzte, die Herrschaft Chinas in Tibet zu stürzen.
Am 10. März 1959 kam es dann in Lhasa zum Tibetaufstand, einem Anti-China-beziehungsweise einem Anti-Kommunismus-Aufstand. Auslöser hierfür war die unangemessene Behandlung des damaligen Dalai Lamas durch das chinesische Militär beziehungsweise die chinesische Regierung. Im März desselben Jahres floh der Dalai Lama nach Indien. Kurz darauf brachen blutige Kämpfe in Lhasa aus, und viele Tibeter mussten ihr Leben lassen.
Die Träger der von Mao Tse-tung initiierten Kulturrevolution – die Rote Garde – zerstörten in den Jahren 1966 bis 1976 etliche tausend Klöster sowie Kulturdenkmäler in Tibet. Ziel war es, sämtliche Religions-, Bildungs- und Kultureinrichtungen auszulöschen.
Auch in den Folgejahren kam es in der Geschichte Tibets immer wieder zu Unruhen. So wurde beispielsweise der Ausnahmezustand ausgerufen, als es zwischen 1987 und 1989 abermals zu Unruhen in der Stadt Lhasa kam. Im März 2008 wurden tibetische Unruhen ausgelöst, als buddhistische Mönche in Lhasa anfänglich friedlich demonstrierten. Sie forderten die Rückkehr des 14. Dalai Lama aus dem Exil sowie die Unabhängigkeit Tibets von China. Kurze Zeit darauf kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen junger tibetischer Aufständischer, was sich zunächst nur auf die Stadt Lhasa bezog, später jedoch über das ganze Land ausbreitete. Der Aufstand richtete sich gegen chinesische Zivilisten aber auch gegen die Behörden. Angezettelt wurden die Aufstände aus dem Ausland.