Tibetischer Kulturraum
Das Hochland von Tibet - inklusive der Randgebirge, die zu China sowie den anderen Nachbarländern gehören - ist ein Kulturraum, der in der Welt seinesgleichen sucht, denn es zeichnet sich durch eine kulturelle Vielfältigkeit aus. Den wohl größten Teil des tibetischen Kulturraums macht das Autonome Gebiet Tibet im Süden Tibets aus, welches sich auf über die Hälfte dieser Region erstreckt. Die Region ist besiedelt von Tibetern sowie von anderen, tibetisch sprechenden Völkergruppen, die sowohl von ihrer Abstammung her als auch von ihrer Religion und Kultur keineswegs immer in engem Zusammenhang mit den ursprünglichen Tibetern zu suchen sind. Man denke hierbei nur an die Hui-Muslime in Amdo im Nordosten.
Das tibetische Hochland, also das geografisch gesehene Tibet, welches sich auf die enorme Fläche von 2,5 Millionen qkm erstreckt, wird bezüglich des tibetischen Kulturraumes in folgende Regionen eingeteilt:
- Die südosttibetische Region Kham, welche aus 50 Kreisen besteht, von denen die Hälfte der Autonomen Region Tibet zuzurechnen ist, und zum anderen Teil sich über drei chinesische Provinzen erstreckt
- Gemeinsam mit Kham tauchte die Bezeichnung Amdo bis ins letzte Jahrhundert auf und meinte Osttibet. Amdo liegt im Nordosten und erstreckt sich über drei chinesische Provinzen. Mancherorts wird mit der Kulturregion Amdo in gleichem Atemzug die Wüstenregion - das Qaidam-Becken – genannt
- Zur Region Kham zählend gehört das im äußersten Osten gelegene Gyarong, eine historisch interessante Gegend, welche sich durch zahlreiche Schluchten auszeichnet
- Die Hochlandsteppen Changthang, welche durchschnittlich auf einer Höhe von über 4.500 Metern liegt. Hier leben fast nur Nomaden, die ihr Leben den hauptsächlich alpinen Weiden angepasst haben
- Ngari, im Westen Tibets gelegen, ist ein Regierungsbezirk des Autonomen Gebiets Tibet und eines der dünn besiedeltsten Landstriche des Landes
- Aus der kulturhistorisch bedeutsamen alten Region Ü - deren Hauptstadt Lhasa ist – sowie der Provinz Tsang ist im Laufe der Jahre der Name Ü-Tsang entstanden. Man bezeichnet es auch oft als Zentraltibet
Der tibetische Kulturraum ist ein zumeist grenzüberschreitender Kulturraum. So gehören beispielsweise zu Westtibet die Regionen Ngari – welche teilweise der Volksrepublik China zuzuordnen sind -, sowie die teils zu Indien gehörenden Gebiete Ladakh, Zangskar, Spiti und Lahul. Abschnitte der indischen Bundesstaaten Westbengalen und Arunachal Pradesh, Teile Nord-Nepals sowie den indischen Bundessaat Sikkim und die Nation Bhutan werden ebenso als tibetanischer Kulturraum bezeichnet.
Wie man sieht, ist - was die Flächengröße anbelangt - der tibetische Kulturraum ein breit gefächerter. Aber auch bezüglich der Bevölkerung, den Traditionen und Kulturen finden sich große Unterschiede. In Amdo beispielsweise leben neben den bereits erwähnten Hui-Muslimen Mongolen, die Salaren – größtenteils Muslime -, Bonan – die in der Mehrzahl Bauern sind - sowie Monguor – auch Tu genannt. Amdo besitzt eine intensive Klosterkultur. Besonders erwähnenswert ist hier zudem die Steinsetzung als Opfergabe für die Götter sowie der Gebetsfahnenschmuck. Die Region Kham zeichnet sich ebenso durch eine bedeutende Klosterkultur aus. Auch im Gyarong leben Tibeter mit tibetisierten Bevölkerungsgruppen zusammen. Ferner wären die die Qiang zu erwähnen, eine Volksgruppe aus China mit einer etwa 3.000Jährigen Geschichte. Da diese Nationalitätengruppe keine eigene Schrift sondern lediglich die gesprochene Sprache besitzt, ist deren Kultur nur – eventuell lückenhaft und sehr subjektiv geprägt – mündlich überliefert. In den Hochlandsteppen des Changthang sind speziell während der Sommermonate Nomaden mit ihren Yaks, Ziegen und Schafen unterwegs.