Autonomes Gebiet Tibet

Das Autonome Gebiet Tibet ist eine – wie bereits erwähnt - autonome, also relativ selbstständige, eigengesetzliche Region, welche 1965 als Verwaltungseinheit der Volksrepublik China geschaffen wurde. Es liegt in Mittelasien und besteht auf einer Fläche von etwa 1,22 Millionen qkm aus der bezirksfreien Stadt Lhasa sowie sechs Regierungsbezirken. Lhasa – gleichzeitig auch Hauptstadt des Autonomen Gebietes Tibet – ist im Transhimalaya-Gebirge auf einer Höhe von 3.600 Metern gelegen. Die sechs Regierungsbezirke sind:

  • Nagchu im Nordosten,
  • Nyingthri im Südosten,
  • Ngari im Nordwesten,
  • Chamdo im Osten,
  • Lhokha im Süden
  • sowie Shigatse im Westen.

Indien beansprucht einige tibetischsprachige Gebiete, die beispielsweise in den Bezirken Lhokha und Ngari liegen, was aber wiederum von China völkerrechtlich nicht anerkannt wird. Die Hauptstadt Lhasa ist eine lebhafte, moderne Stadt, in der rund 250.000 Menschen leben. Das gesamte Gebiet verfügt derzeit über eine Bevölkerungszahl von etwa 2,6 Millionen Menschen.

Das Autonome Gebiet Tibets umfasst rund die Hälfte des Tibet-Qinghai-Hochlandes ebenso wie die Hälfte des tibetanischen Kulturraumes. Es ist in etwa mit dem früheren Machtbereich der Dalai Lamas identisch.

Die Bevölkerung des Autonomen Gebiets Tibet besteht aus über 90% Tibeter und etwa 6% Han-Chinesen – also ethnischen Chinesen. Ferner gliedern sich die Menschen dort in viele weitere kleinere Volksgruppen auf. Vorherrschende Religion im Autonomen Gebiet Tibet ist der Buddhismus. Trotz Problemen gibt es derzeit nach offiziellen Angaben nahezu 2.000 tibetisch-buddhistische Stätten sowie annähernd 50.000 buddhistische Mönche und Nonnen. Für die Angehörigen der größtenteils zur Gruppe der Hui-Chinesen gehörenden Muslime existieren in Tibet vier Moscheen. Auch den über 700 dort ansässigen Katholiken steht eine katholische Kirche zur Verfügung.

Vor etwa sieben Jahren wurde festgelegt, dass die tibetische Sprache dem landesweit gebräuchlichen Hochchinesisch gleichgestellt werden sollte. Das führte dazu, dass nun in den Schulen die tibetische Sprache Einzug hielt und die Mehrheit der eher gebildeten Bewohner beide Sprachen beherrschen. Allerdings sind auch heute noch rund 30% aller Einwohner des Autonomen Gebietes Tibets Analphabeten.

Etwa 81% der Bewohner Tibets leben in ländlicher Umgebung. Die Landwirtschaft des Autonomen Gebietes Tibet ist recht unterschiedlich und stark von der jeweiligen Region abhängig. Selbst in den hohen Lagen sind aufgrund der idealen Bedingungen - wie etwa lange Sonnenscheindauer - bestimmte Anbauten gut möglich. Besonders die Gebiete Lhasa und Shigatse sind prädestiniert dafür, eine erfolgreiche Landwirtschaft zu betreiben. Hauptanbaufrucht Tibets ist die Hochlandgerste. Aber auch Kartoffeln, Mais, Weizen sowie Hülsenfrüchte sind in einigen Gegenden möglich. Je weiter man nach Norden gelangt, umso geringer wird der Anbau. Hier herrscht die Viehzucht vor. Von besonderer Bedeutung für die Bevölkerung ist die Weidewirtschaft auf den Hochsteppen. Hier findet man in erster Linie Yaks, deren besondere Anpassungsfähigkeit an die extremen klimatischen Verhältnisse von großem Nutzen ist. Der Yak liefert neben Fleisch noch Milch, Leder und Wolle. Sein Kot wird als Brennmaterial verwandt und er ist ein ideales Last- und Reittier.

Die Industrie im Autonomen Gebiet Tibets ist in der Entwicklung und wird von der chinesischen Regierung unterstützt. Bereits heute gibt es eine Bergbauindustrie. Abgebaut werden in erster Linie Gold, Salz, Kupfer und Eisen, aber auch Borax sowie Lithium. Was die beiden letzten Elemente betrifft, so kann Tibet sich stolz schätzen, hier das weltweit größte Vorkommen zu verzeichnen. Nachdem jahrelang der Transport verschiedener Güter nur mithilfe der Karawanen, die hauptsächlich aus Yaks bestanden, geschah, ist es heute weithin möglich, auf Straßen auszuweichen. Seit 1951 wurden über 20.000 Kilometer Fernstraßen angelegt, deren Zustand allerdings keineswegs mit dem unseren vergleichbar ist. Heute ist man fernerhin dabei, die schwache Infrastruktur aufzubessern und um den Ausbau des Schienen-, Straßen- sowie Luftnetzes bemüht. Stromversorgung sowie die Ausweitung der Telekommunikation sind weitere Punkte in der Entwicklung Tibets. Auch der Tourismus ist am wachsen. Besonders die Lhasa-Bahn, welche mit Panoramafenstern versehen wurde und an besonders attraktiven Punkten halt macht, ist Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen geworden. Die Lhasa-Bahn bewegt sich auf einer Höhe von überwiegend 4.000 Metern und erstreckt sich auf 1.125 Kilometern von Golmud in der chinesischen Provinz Qinghai bis nach Lhasa.