Bevölkerung

Aufgrund der Situation in Tibet ist es sehr schwierig, die genaue Einwohnerzahl Tibets zu benennen, da hierzu häufig die Angaben schwanken. Ständige Umsiedelungen erschweren die genaue Nennung zudem. Hinzu kommt, dass sich bei den Zählungen die Frage stellt, welche Bevölkerung wo gemeint ist. Da wären zum einen die chinesischen wie auch tibetischen Einwohner des Autonomen Gebietes Tibet, zum anderen könnte man alle tibetischen Gruppen in China meinen oder aber gar die gesamte Bevölkerung sowohl des Autonomen Gebietes sowie der restlichen Provinzen des ehemaligen Tibets. Zieht man die unterschiedlichen Quellen zu Rate, so kann man feststellen, dass sich die Zahl der Bevölkerung in dem Autonomen Gebiet Tibet bei etwas mehr als 2 Millionen Tibetern einpendelt. Für die Gebiete Amdo und Kham nennen die Chinesen nochmals rund 2,5 Millionen Tibeter. Schenkt man der tibetischen Exilregierung Glauben, so kann man von insgesamt 6 Millionen Tibetern ausgehen.

Sehr unterschiedlich sind ebenso die Angaben, die sich auf die chinesische Bevölkerung beziehen. Während China von rund 347.000 Chinesen im Autonomen Gebiet redet, sprechen tibetische Quellen von 1,5 Millionen. Für ganz Tibet nennen die Tibeter die Zahl 8-12 Millionen. Sicherlich müsste man eine Art Mittelwert errechnen, um annähernd an die tatsächlichen Zahlen zu gelangen, denn die tibetischen Angaben beruhen eher auf Schätzungen und den chinesischen unterstellt man gerne propagandistische Absichten. Zudem ändern sich die Zahlen ständig, da die kontinuierliche Umsiedelung von Han-Chinesen Änderungen mit sich bringen.

Man kann jedoch guten Gewissens behaupten, dass in Tibet die Dichte der Bevölkerung des Autonomen Gebietes Tibet die geringste ganz Chinas ist. Die Wachstumsrate in diesem bevölkerungsärmsten Gebiet scheint aber in den letzten Jahren zu steigen. Das mag auch daran liegen, dass das Gesundheitsniveau und damit die durchschnittliche Lebenserwartung in die Höhe geschnellt sind. Hinzu kommt, dass China bezüglich seiner strengen Familienpolitik die Ein-Kind-Familie favorisiert, und diese Regelung nicht für Tibet gilt. Lediglich die in Tibet arbeitenden Han-Chinesen müssen sich an diese Vorschriften halten. Allerdings befindet sich auch die tibetische Regierung auf dem Weg der strengen Familienplanung, wobei jedoch Zwangsabtreibungen verboten sind, und die Bauern und Hirten, deren Anteil bei nahezu Zweidrittel der gesamten Bevölkerung liegt, nicht in das Programm mit einbezogen werden. Ihnen wird lediglich eine flächendeckende Gesundheitsvorsorge zuteil sowie die Zur-Verfügung-Stellung der empfängnisverhütenden Mittel.

Fakt ist, dass Tibet ein Land der vielen Nationalitäten beziehungsweise Völkerzugehörigkeiten ist. Neben den bereits erwähnten Tibetern sowie den Han-Chinesen findet man Angehörige der Moinba, der Lhoba, der Hui und der Deng sowie Sherpas vor.

Knapp 20% der Bevölkerung wohnt in der Stadt, und demzufolge leben über 80% auf dem Land. So ist es nur verständlich, dass die große Mehrheit der Tibeter von Ackerbau und Viehzucht leben. In den Städten gehen sie in erster Linie dem Handwerk und Handel nach oder aber sie sind in der Industrie beschäftigt.

Obwohl die Art der Kleidung von der jeweiligen Gegend abhängig ist, kann man generell sagen, dass die Männer traditionell mit einer kurzen, langärmeligen Jacke aus Baumwolle oder Seide sowie einem weiten Mantelkleid, welches an der Hüfte mit einem bunten Tuch zusammengehalten wird, bekleidet sind. Die Frauen tragen mehrheitlich lange, ärmellose Kleider aus grobem Wollstoff. Als Zeichen dafür, dass sie verheiratet sind, haben sie bunte Gürtel um die Taille geschnallt. Sowohl Frauen als auch Männer schmücken sich mit Zöpfen und tragen Schmuck. Von ihrer Art her sind die Tibeter – deren Konfession der Buddhismus ist – temperamentvoll und offen. Sie tanzen und singen sehr viel und sehr gerne.

Han-Chinesen sind im Gegensatz zu den Staatsangehörigen Chinas so genannte „ethnische“ Chinesen, deren Bezeichnung sich von der Han-Dynastie ableitet, welche das chinesische Kaiserreich in den Jahren 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. regierte. Die heute in Tibet lebenden Han Angehörigen sind vor allem in den Reihen der Lehrer, Techniker, medizinischen Fachkräfte aber auch Arbeiter zu finden.

Leute, die der Moinba Völkergruppe zugehörig sind, findet man in erster Linie im Süden Tibets. Sie haben eine eigene gesprochene Sprache jedoch keine eigene Schriftsprache. Hauptsächlich leben sie von Ackerbau und Viehzucht; einige von ihnen üben aber auch verschiedene Handwerksberufe aus oder gehen auf die Jagd. Ihre traditionelle Kleidung sind rote Kaftane aus Schafswollstoff sowie kleine braune Mützen mit einem vorne geschlitzten, hochklappbaren Rand oder aber schwarze Filzhüte mit einem Besatz aus Yakfell. Während die Männer an den Hüften ein Hackmesser tragen, lieben es die Frauen, sich mit Schmuckstücken wie Ohrringen oder Reifen zu zieren. Die Mehrheit der Moinba gehört dem tibetischen Buddhismus an. In einigen Gebieten existiert noch der traditionelle Hexen- und Geisterglaube. Die Bestattung der Toten geschieht normalerweise – neben weiteren Bestattungsarten - im Wasser.

Ebenfalls im Süden Tibets – in der Region um Lhoyü – leben die meisten Lhoba Angehörigen. Auch sie haben eine eigene gesprochene Sprache aber keine eigenen Schriftzeichen. Neben der Landwirtschaft betreiben sie mehrheitlich die Kunst, aus Bambus verschiedene Dinge zu flechten. Während die Männer schwarze Westen aus Schafswolle sowie Bärenfellhüte oder andere geflochtene Kopfbedeckungen tragen, besteht die Kleidung der Frauen aus einer kurzen Bluse und einem Wollrock, der bis an die Knie reicht, sowie Wickelgamaschen.

Huis, die in Tibet leben, stammen in der Regel von den Huis ab, die in der Quing-Zeit – das war von 1644 bis 1911 – aus verschiedenen Teilen ins Land kamen. Sie sind unter anderem in Lhasa, Qamdo und Xigase zu finden. Sowohl im Aussehen als auch in ihrer Kultur ähneln sie sehr den Han-Chinesen, allerdings sind sie Angehörige des Islams. In einigen Städten, wie beispielsweise in Lhasa, haben sie eigene Moscheen. Während religiöser Handlungen sprechen sie arabisch oder verwenden die Urdu-Sprache, die Amtssprache Pakistans sowie einiger anderer indischer Länder. Ihre Hauptbetätigungsfelder sind der Handel und das Handwerk.

Mitglieder der Deng-Nation gibt es in erster Linie im Nyingchi-Gebiet. Sie leben noch teilweise nach alten Traditionen, so benutzen sie beispielsweise auch heute noch Kerbhölzer und Knotenschnüre, wenn sie sich wichtige Dinge merken wollen. Was ihre Religiosität anbelangt, so glauben sie an keinen Gott aber an einen Teufel. Die Männer der Deng tragen schwarze Kopftücher und Silberohrringe. Die Frauen gehen barfuß, tragen Seidenröcke sowie Ketten aus Perlen oder Silber und trommelförmige Ohrringe. Noch vor 50 Jahren lebte dieses Volk in abgeschiedenen Berggegenden, wo sie zur Jagd gingen sowie sich teilweise von Pflanzen und Früchten ernährten. Inzwischen haben sich ihre Lebensbedingungen ein wenig verbessert, und sie leben in zumeist zweistöckigen Häusern, in denen sie im Erdgeschoss ihre Haustiere halten.

Irrtümlicherweise wird der Begriff „Sherpa“ häufig gleichgesetzt mit Träger und Führer im Hochgebirge. Dies rührt daher, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Angehörige des Sherpa-Volkes von britischen Abenteurern und Entdeckern als solche Träger im Himalaya-Gebirge angeheuert wurden. Offiziell wird das Volk der Sherpas nicht als eines der 56 Nationalitäten Chinas anerkannt. Sie besitzen allerdings im Autonomen Gebiet Tibet einen Sonderstatus bezüglich ihrer Anerkennung. Sherpas leben vorwiegend in der Region um Zhentang oder aber in der Nähe der Grenzhandelsstelle Zham. Es existieren vier Sherpa-Clans, eine eheliche Verbindung innerhalb eines solchen Clans ist allerdings untersagt. Männer wie auch Frauen tragen weiße und schwarz umrandete Wollmäntel mit kurzem Ärmel. Sie sind Angehörige des Buddhismus und leben in zweigeschossigen Holzhäusern. Die Sherpas sind ein lebensfrohes Volk und lieben den Gesang sowie den Tanz.

Neben dem Chinesisch gilt das Tibetische als Amtssprache. Es wird von den Millionen Tibetern vor Ort aber auch von den etwas über 130.000 Exiltibetern gesprochen, die in erster Linie in Indien, Bhutan, Nepal sowie in den USA und Kanada leben. Aber auch in anderen Teilen der Welt sind im Exil lebende Tibeter zu finden. Die drei vorhandenen Dialekte sind Amdo, Kam und Waizang. Die Schriftsprache basiert auf dem tibetischen Alphabet, welches – wie man vermutet – der altindischen Brahmi-Schrift entstammt.